Ich bin wieder da! =D

25. März 2010

Unglaublich, wie schnell das halbe Jahr vorbeigegangen ist.

In den ersten Monaten gab es viel zu erkunden, viel wovon ich euch hoffentlich nie langweilig geschrieben habe. In den letzten Monaten habe ich viele großartige Koreaner kennengelernt, Freunde, Menschen die mir wichtig sind. Ein Tagebuch sollte mein Blog nie werden, und da jene Wochenenderlebnisse auch immer etwas persönliches sind habe ich sie für mich behalten. Man könnte mir auch vorwerfen, ich hätte meinen Blog vernachlässigt, sollte das stimmen wünscht mir viel Glück, dass ich es bald schaffe meine Bilder von Hong Kong (und auch noch Tokyo) hochzuladen. ^^

Es bleibt zu sagen wie sehr ich jedem eine kurze Zeit in der Fremde ans Herz legen kann, dass ich all meinen Lesern danken will und wie stolz mich jedes Kompliment an meinen Blog-Stil gemacht hat… Aber das kann ich euch auch alles persönlich erzählen, ich bin ja wieder im Lande. =D

Stattdessen ein paar koreanische Sitten, und die Fettnäpfchen, welche sie mir schon in Deutschland beschert haben. Die besten irritierten Blicke waren bis jetzt:

  • Die des Polizisten der Tegel’er Passkontrolle, nachdem ich mich vor ihm ehrenvoll verbeugt hatte.
  • Die der Kassiererin im Kaufland , während ich ihr mein Geld mit beiden Händen entgegenstreckte.
  • Die des Kellners im chinesischen Restaurant, der meine Bestellung auf Englisch entgegennehmen musste.
  • Die meiner Freunde, wenn ich beim Essen ungestört meine Nase hochziehe.

Also: 너무 오래, 고마워 맛있는 생선은 고마웠어 (So long, and thanks for all the fish)

Frohe Weihnachten

24. Dezember 2009

Schon bei meiner Zusage zu diesem Praktikum war mir bewusst, dass ich das erste Mal Weihnachten fernab der Familie und Silvester weit weg von den Freunden feiern muss. Dank eines Plastikweihnachtsbaumes in meiner Abteilung und Hohenficht’ner Plätzchen ist es hier auch ein bisschen weihnachtlich geworden.

Die letzten Wochen war es still in meinem Blog. Das liegt eher daran, dass ich mich so schnell an alles gewöhnt habe, als dass wir nicht mehr so viel erleben. Ein Beweisfoto:

Hier sind die Winter echt bitterkalt, warum ich über Weihnachten und Silvester auf die Insel Taiwan flüchten werde. Da werde ich sicher wieder Neues, Spannendes entdecken und euch hier davon berichten.

Wir hören also wieder im nächsten Jahrzehnt voneinander. Frohe Weihnachten, erholsame Feiertage und ein geiles Silvester wünsch ich all meinen Lesern.

Seoye – Kalligrafie

23. Dezember 2009

Kalligrafie ist eine in Korea hoch angesehene Kunst, an der ich mich diese Woche für ein Weihnachtsgeschenk für meine Familie gewagt habe. Die Namen unserer 4 Familienmitglieder zu Pergament zu bringen kann ja nicht so schwierig sein, habe ich gedacht.

Mein Vorgesetzter Mr. Kim übt sich schon seit 20 Jahren in Seoye und konnte mir sogar einige Kunstbücher zeigen, in denen seine Werke abgedruckt sind. Unter seiner Führung und mit hochwertiger Ausrüstung konnte ich meine ersten Pinselstriche wagen.

Um die Tinte vorzubereiten wird Wasser in eine Steinschale gefüllt, und dann ein schwarzer Stein so lange in der Schale gerieben, bis sich die richtige Menge Tinte gelöst hat. Den getränkten Pinsel führt man dann schwungvoll und präzise über das Papier, damit nicht die Ränder der Zeichen auf dem dünnen Papier verlaufen. Proportionen, gerade Linien und gleichmäßige Schriftgröße und Abstand werden sehr hoch angesehen.

Es war überhaupt nicht einfach, und meine ersten Versuche hatten gar nichts mit den Werken meines Kollegen gemein. Stundenlang musste ich üben, wurde ständig korrigiert und habe immer mehr dazugelernt, um mich endlich an meinem Endprodukt zu versuchen. Dafür hat Mr. Kim ganz besonderes Pergament, mit Blattgold verziert, hervorgezaubert, welches von seinen Meisterwerken übrig geblieben ist.

Von rechts nach links: Matiaseu, Keoseutin, Seutepan, Anemari

Wie hoch diese Schriftzüge hier als Kunstobjekte angesehen werden erkennt man daran, dass bei den offiziellen Biografien der bisherigen koreanischen Präsidenten kalligrafische Arbeiten mit angegeben werden. Mr. Kim saß oft monatelang an einem Werk, hat ihm eine Ecke eines Zeichens nicht gefallen wurde das Pergament zerknüllt und von Neuem begonnen. So sehr kann ich die Faszination nicht nachvollziehen, dieses doch eher langweilige Hobby hat aber Spaß gemacht und war irgendwie entspannend.

Stefan vs. Stephan

8. Dezember 2009

Update: Erste Umfrage eröffnet

Stefan vs. Stephan

Es ist immer eine große Ehre, für schöne Bilder gelobt zu werden. Aber für wirklich herausragende Bilder habe ich in Korea noch nicht die Zeit gefunden. Das soll sich jetzt ändern.

Stefan und ich wollen unseren Wettbewerb fortführen, in welchem wir zu vorgegebenen Themen Fotos schießen. Da wir beide dickköpfig sind brauchen wir eure Stimme um zu entscheiden, welches Foto als Sieger gekührt wird. Dafür haben wir einen eigenen Blog eingerichtet, in welchem neben euren kritischen Votes auch viele Kommentare und weitere Themenvorschläge erwünscht sind.

Das Thema der ersten Runde lautet: „Fensterblick“

und wird am Montag, dem 14. Dezember, veröffentlicht.

Bleibt gespannt!

Lebensmittelhilfe aus dem Westen

27. November 2009

Beide Pförtner kennen mich schon beim Namen und schütteln immer mit dem Kopf, weil immer noch kein Paket aus Dogil (Deutschland) angekommen ist. Heute kam ein Pförtner mit einem gelb leuchtenden DHL Paket auf mich zu gerannt, ein CARE-Paket. =D

Vielen lieben Dank Eltern, ich freue mich riesig. Natürlich auch einen großen Dank an meine Kleene Schwester, du hast perfekt rausgesucht was mir am besten schmeckt.
Wenn ihr mich mit allem versorgt, was ich aus Deutschland vermisse, kann ich ja ruhig noch ein bisschen länger bleiben. =P

Busan

25. November 2009

Bilder

Zweitgrößte Stadt Koreas und schon nur noch 1/5 so groß wie Seoul ist die Hafenstadt Busan. Letztes Wochenende waren zum ersten Mal alle 6 Interns gemeinsam unterwegs, Grund genug an einem Wochenende gleichzeitig zu feiern und Kultur zu erleben. Ein Fehler, selten war ich nach einem Wochenende so erschöpft, darum jetzt erst der Eintrag dazu.

An die Party-Meile grenzen wunderschöne Strände, leider kann man da im Winter nicht baden weil es zu kalt, im Sommer nicht da es zu überfüllt ist. Stattdessen haben wir uns die Zeit tagsüber im Busaner Aquarium, APEC Park, Busan Tower und Fischmarkt vertan.

Im Aquarium bekamen wir eine typisch-koreanische Robbenshow geboten, mit Trainerin im Militärdress, Jahrmarktmusik und synchronisierten menschlichen Stimmen der Robben. Die Koreaner waren begeistert, die deutschen Interns eher verstört.

APEC

APEC-Gipfel 2005, Staatschefs in traditionellen koreanischen Gewändern

Ursprünglich für ein mehrtägiges Gipfeltreffen der Pazifikstaaten erbaut, ist Busan der idyllische APEC Park erhalten geblieben. Ein Holzweg führt vom Strand an verträumter Küstenlandschaft, einem kleinen Leuchtturm und einer kopierten kleinen Meerjungfrau vorbei direkt in die nobelste Wohngegend Busans, mitsamt dem beeindruckenden Golden Suites Tower.

Der Fischmarkt ist noch quicklebendig. Ältere Damen kaufen lebendigen Tintenfisch oder lassen sich den Abendbraten fangen und kleinhacken. Man kann den ganzen Tag zusehen wie Muscheln geknackt, Fische ausgenommen und Kopffüssler zerteilt werden und sich dann Kopf und Arme ohne Körper noch Minuten später über die Arbeitsplatte quälen und… die Anblicke hatten mir gereicht, ich musste dort schnell wieder raus. Im Freien, ich konnte meinen Augen nicht mehr trauen, wurden Walfleisch und deren Barthaare feilgeboten. Ist es denn wirklich noch erlaubt, mit Wal zu handeln? Erst ein wirklich schmackhaftes, fisch- und meeressäugerfreies Essen konnte wieder meinen Hunger wecken.

Kleines Highlight war ein altes Ehepaar, welches mit einer noch älteren Puffreis-Maschine kleine Naschereien für Groß und Klein verteilt hatten. In einer solchen Maschine werden geschälte Reiskörner auf offenem Feuer in einem Druckkessel bis zu 12bar ausgesetzt. Ist der Reis fertig, öffnet der alte Herr den Druckkessel. Was dann passiert wussten alle Koreaner die sich die Ohren zugehalten hatten: Der plötzliche Druckverlust lässt alle Reiskörner gleichzeitig puffen, welche in viel Qualm und einem lauten Knall in ein Fangnetz explodieren. Eine spektakuläre Show mit leckerem Andenken. Originaler Puffreis schmeckt ähnlich wie Popcorn, und ohne diese kratzigen Hülsen eine echte Alternative als Kinosnack.

Die Rückfahrt haben wir ganz gehoben verbracht, als einziges war die erste Klasse des koreanischen Höchstgeschwindigkeitszuges KTX noch nicht ausverkauft. Noch nie bin ich so angenehm Zug gefahren, und das Erlebnis ist noch billiger als eine vergleichbare 2. Klasse Zugfahrt in Deutschland, mit Bahncard50 Rabatt, Korea ist großartig.

Das Ende der Welt

24. November 2009

Tut mir Leid dass ich lange nichts mehr geschrieben habe, hier am Ende der Welt passiert auch selten was Spannendes. Von meinem letzten Wochenende in Busan mit goldenen Hochhäusern und Walfleisch werde ich so schnell wie möglich berichten, bis dahin eine kleine Visualisierung wie sehr am Ende der Welt wir hier wohnen:

Brücke als Panorama

Um zur Zivilisation zu kommen müssen wir neben elend langen Schotterstraßen auch über diese abenteuerliche einspurige Wackelbrücke. Ein kleiner Trost an alle, die in kleinen Dörfern im Schwabenland aufgewachsen sind. (^,^)

Südkorea wechselt die Seiten

13. November 2009

Als japanische Kolonie wurde hier lange Zeit auf der linken Seite gefahren und gelaufen. Nach der lang ersehnten Unabhängigkeit hat der erste Präsident sogleich den Rechtsverkehr auf den Straßen angeordnet. Aber das Laufen auf der linken Seite blieb in den Köpfen der Koreaner verankert.

Jetzt versucht der Verkehrsminister das Land in Einklang zur „Globalen Laufkultur“ zu bringen. Nachdem die Koreaner für Generationen genau das Gegenteil getan haben, wird seit 1. November auf der rechten Seite gelaufen, Treppen gestiegen und Rolltreppe gefahren.

Das Ministerium ist überzeugt, dass ein Rechtslaufgebot die Geschwindigkeit auf koreanischen Gehwegen um 20-70% erhöhen wird, wogegen die psychische Belastung des Fußgängers um 13-18% verringert werden soll, so die offiziellen Zahlen.

Das tatsächliche Resultat auf den Gehwegen Seouls ist pures Chaos. Oder um es in Worten des großen Konfuzius außzurdücken: „Im Fluss fließt Wasser über, unter und um einen Stein herum.“, nur nicht auf der rechten Seite.

Offensichtlich hat auch ein Land, welches trotz Wirtschaftskrise im Aufschwung ist, Probleme. Und der Ursprung der offiziellen Zahlen bleibt mir ein Rätsel, ich habe eher eine psychische Entlastung von etwa 7% empfunden…

Pepero Day

11. November 2009

pepero

Das heutige Datum sieht fast so aus wie 5 Pepero, eine typisch koreanische Süßigkeit. Darum wird heute Pepero Day gefeiert. Ähnlich dem amerikanischen Valentinstag gibt man allen die einem lieb und wichtig sind kleine Geschenke.

Vor mehr als 10 Jahren haben sich am 11/11 Schulmädchen untereinander Pepero geschenkt, um sich zu wünschen groß und schlank zu werden, wie ein Pepero. So wurde mir der Ursprung zumindest erzählt, oder aber der Hersteller hat sich den Feiertag zu seinen Süßigkeiten einfach ausgedacht.

Egal wie der Feiertag entstanden ist, ich finde ihn eine schöne Idee, und habe mich heute früh sehr über mein kleines Geschenk von meiner koreanischen Büronachbarin gefreut. (>^_^)>

Und da heute Pepero Day ist, an all meine Blogleser ein ePepero:

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Seoul again

9. November 2009

Bilder

Bilder Seoul Museum of Art

Die anderen Interns habe ich dieses Wochenende alleine wandern lassen und bin auf eigene Faust in meine Lieblingsmetropole gefahren. Ich habe mich gefühlt wie ein kleiner Junge, der allein zu Hause bleiben darf, nur habe ich mich eben in Seoul ausgetobt. Und wie ein kleiner Junge die ganze Zeit nur Süßigkeiten nascht habe ich mich das komplette Wochenende nur von meinem geliebten Street Food ernährt. ^^

Zufällig bin Freitag Abend über mein koreanisches Lieblings DJ-Duo Astro Voize gestolpert, welche schon das Electro-Festival Global Gathering zum Beben gebracht hatten. Da schon am ersten Abend mein Party-Drang gestillt wurde bin ich gestern Abend in eine tief verwurzelte, signifikante Kultur Koreas eingetaucht, dem eSport.

In keinem Land haben Computerspiele so einen hohen Stellenwert wie in Korea. Millionen junger Menschen geben sich dem eSport hin, große Wettkämpfe werden von hunderttausenden vor Ort oder über das Internet mitverfolgt. Top-Spielern gebührt Wohlstand und hohe soziale Anerkennung. Statt zu Killerspielen degradiert zu werden sind Computerspiele hier Teil des sozialen Zusammenlebens.

An jeder Ecke in Seoul findet man PC방, Internetcafés mit neuester Hardware und installierten eSport-Klassikern. Begeistert haben mich eine Gruppe koreanischer Zocker in ihre Runde aufgenommen und mit mir bis spät in die Nacht Kaunteo Seuteulaikeu (Counter Strike) gespielt. Denen habe ich gezeigt, wie man im Westen zockt… und gnadenlos verloren. Anerkennung habe ich dennoch bei jedem kleinen Sieg erhalten. Es war so fesselnd, es viel mir schwer wieder zu gehen, doch es gab noch so viel Seoul zu erkunden.

Seoul hat sich mir in riesigen Untergrund-Mall-Labyrinthen von der modischen, auf einer Design-Expo von seiner kreativen, im Olympic Park von seiner sportlichen, im Museum of Art von seiner künstlerischen und im War Memorial Museum von seiner historischen Seite gezeigt.

Bei letzterem war ich das erste Mal tief schockiert von diesem Land und seinen Leuten. Natürlich war das Kriegs-Museum lehrreich, hat zum Nachdenken angeregt und mit altem Kriegsgerät bis zum B-52 Bomber die Ingenieurs-Faszination entflammt, aber dass ein Kriegs Denkmal Museum vor allem vor den Schrecken des Krieges mahnen soll scheinen die Koreaner nicht verstanden zu haben.

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Unter Kampfjets, MG-Helikoptern und Fallschirmspringern wurden die jüngsten Koreanern von bunten Figuren unterhalten und durften sich im Bälle-Bad austoben.

Schießstand

Mit Waffen aus dem Korea-Krieg konnte man auf dem Schießstand zielen, nicht mit scharfer Munition sondern mit Laser, dafür auf menschliche Silhouetten als Zielscheiben.

Etwas nachdenklicher als sonst habe ich Seoul heute wieder verlassen.