Jjimjilbang – Übernachten in der Sauna

8. November 2009

Dieses Wochenende habe ich mich wieder nach Seoul geflüchtet. Und wenn man ständig unterwegs ist, können vor allem die Übernachtungen ganz schön auf den Geldbeutel schlagen, wenn man sich nicht auskennt.

Schlichte Motels kosten 25€ die Nacht, der Reiseführer empfiehlt als kostengünstigste Alternative Love Motels, in welchen man für nur 20€ ein Doppelbett und ein Kondom bekommt um… zu übernachten. Doch ein echter Geheimtipp unter den jungen Koreanern sind die Jjimjilbangs, übersetzt Saunazimmer. Einmal 5€ Eintritt bezahlt kann man die Einrichtungen so lange nutzen wie man möchte. Und dazu zählen heiße und kalte Becken, Whirlpools, Saunas, Massage- und Fitnessraum, Internet-Café und eben auch ein Ruheraum.

Am Eingang erhält jeder Einheitskleidung, geschlafen wird auf dem Boden, wenn man Glück hat konnte man eine dünne Matte ergattern und als Kopfkissen dienen ergonomisch geformte Holzklötze.

Damit ihr euch das besser vorstellen könnt hier ein Foto. Leider ohne Blitz, da ich niemanden aufwecken wollte, dafür digital aufbereitet:

Jjimjilbang

Ich hoffe die Beschreibung verschreckt euch nicht, mir macht es immer Spaß im Jjimjilbang zu übernachten! Wenn man spät in der Nacht aus der Disco kommt und sich dann noch in den 40°C heißen Whirlpool legt, kann man auch ohne Zudecke einschlafen. Und in welchem Motel bekommt man für 5€ Saunas, Whirlpools und alles vom Schlafanzug bis zur Zahnpasta? Nimmt man sich dann noch Ohrstöpsel gegen eventuelle Schnarcher und einen Pullover als Kopfkissen mit, kann es eine richtig angenehme Nacht werden.

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Ich habe Schweinegrippe

31. Oktober 2009

Auf Wunsch einer einzelnen Miri, hier ein paar Worte zu meinen Gefühlen: Ich bin genervt.

Ich hatte mich riesig auf dieses Wochenende in Seoul gefreut: Shoppen, Party machen, mit Verkleidung Halloween feiern… Highlight wäre sicherlich die Party am Freitag Abend gewesen, zu welcher mich eine 21jähre koreanische Modedesign-Studentin eingeladen hatte. Ja, meine Vorstellungen von der besagten Party wurden von Clichees geleitet, aber langweilig wäre es auf keinen Fall geworden.

Doch es kam anders…

Mittwoch auf Arbeit hatte ich meinen Chef gebeten, wegen einer Erkältung nicht am Windkanal arbeiten zu müssen, und dann ging die Panikmache los: Kurzer Besuch bei der Firmen-Krankenschwester, Fiebermessen im örtlichen Krankenhaus und ohne ernstzunehmende Untersuchung stand die Diagnose fest: Schweinegrippe.

Eine tolle Atemmaske und 5 verschiedene Medikamente wurden mir angedreht, gegen eine Spritze mit nicht näher definiertem Inhalt habe ich mich gewehrt.

Unsere Firma hat panische Angst vor Schweinegrippe. Ich durfte nicht die nächsten Tage im Bett bleiben, ich musste. Für 1 Woche wurde mir verboten die Firma zu betreten, mein Zimmer nur zu den Mahlzeiten zu verlassen, und dann nur mit meiner tollen Atemmaske. Ich bin schon wieder voll gesund, doch davon will die Firma nichts wissen.

Stur wie ich bin habe ich die Medizin kaum genommen und mich auch sonst über die meisten Regeln hinweggesetzt. Wie meine schnelle Genesung zeigt war es auch mit Sicherheit keine Grippe die ich hatte. Nur mein schönes Wochenende in Seoul wurde ruiniert.

Edit: Bilder von unserem letzten Wochenende, dem Worak Berg und der wunderschönen Laubverfärbung sind endlich online.

Korea’s got Seoul

25. Oktober 2009

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Bilder

Letzten Montag sollten eigentlich die Athletic Games stattfinden, ein Firmenevent für die ganze Familie, ein gemütliches Beisammensein bei Sportveranstaltungen und Picknick. Leider wurde es abgesagt, wegen Schweinegrippe. Als Ersatz haben wir alle frei bekommen, und da unsere Hauptstadt so riesig ist haben wir das Wochenende Seoul erkundet.

In Seoul war ich schon einige Male, aber immer nur zum Party machen. Absolutes Highlight war da das „Global Gathering“, ein House-Festival im Herzen Seouls mit The Prodigy und MSTRKRFT, aber auch richtig guten koreanischen Künstlern. (Nein, kein K-Pop ^^) Letztes Wochenende wollte ich mir endlich mal einen Überblick über Seoul verschaffen und die kulturelle Seite kennenlernen.

Seoul ist riesig. Nein wirklich, gigantisch! 23 Millionen Einwohner leben in der Metropolregion, es ist die zweitgrößte nach Tokyo. Zu sehen gab es moderne Architektur neben alten Tempeln und die durchgeknallte Seite von Korea. Durch die Straßen laufen Teenager in der Mode von 2012, an jeder Ecke gibt es was Neues zu entdecken, die Menschen sind unglaublich offen und freundlich, die süßen Koreanerinnen doch manchmal gar nicht so schüchtern… Man wird sofort in die Stadt eingesogen. Ich hab mich in Seoul nie als Tourist, sondern immer mittendrin gefühlt.

Und dann sind da noch die Straßenstände vollgeladen mit unbekannten Leckereien. An jeder Ecke gibt es bei alten Imos für ein paar Cent Reiskuchen, Fleischspieße, Suppen, gegrillte Larven, plattgedrückte Fische, komisch riechende Nüsse, merkwürdige Krakenarme…

Die wichtigste Lektion, welche ich bis jetzt in Korea gelernt habe, lautet: Don’t Care. Obwohl das meiste für Europäer eklig klingt und eklig aussieht, es schmeckt großartig! Man darf sich nicht zu viele Gedanken machen und muss offen sein, alles ausprobieren, damit es einem hier Spaß macht.

Am Anfang habe ich gedacht „Mmh das ist lecker, ich frage mich was da drin ist.“, jetzt denke ich „Mmh das ist lecker, ich frage mich wie es heißt, damit ich es bald nochmal bestellen kann.“ Und dann wird die ganze Stadt zu einem riesigen Jahrmarkt, an jeder Ecke was Leckeres, aber im Gegensatz zu Deutschland spottbillig und gesund.

Es bleibt das Gefühl, nur an der Oberfläche einer Weltmetropole gekratzt zu haben. Ich bin so neidisch, dass ich mein Praktikum nicht in Seoul verbringen kann. Aber ich werde nach Seoul fahren so oft ich kann, das nächste Mal zu Halloween, das wird großartig. =D

Bilderrätsel Wer mir alle 4 Warnhinweise des Fahrstuhls erklären kann bekommt nen Keks. \(^o^)/

K-Pop

24. Oktober 2009

Vorab: Es gibt auch ordentliche Musik in Korea. Die Popmusik ist aber so funny und irgendwie catchy, dass sie in meinem Blog nicht fehlen darf.

Zuerst das Bekannteste: Wonder Girls – Tell Me

Die Lieder sind zwar einfach aber die Melodie fesselnd, einfach catchy. Dass der Refrain englisch ist ist normal. Leider sind die Strophen immer koreanisch. Damit euch aber die unglaubliche Tiefe nicht entgeht, hier die Übersetzung:

I thought maybe you didn’t like me.
I spent nights pondering about it
But now I know that you like me
Oh my, tell me again

Tell me tell me
Tell tell tell tell tell tell me
that you like me.

Die Stimmung ist grundsätzlich immer fröhlich und den Texten fehlt es an jeglichem Tiefgang, wahrscheinlich sind sie absichtlich so unsinnig. Gerade darum sieht man oft einen Hyundai in Daejeon voller deutscher Interns die laut K-Pop Lieder mitsingen. ^^

Zuletzt mein Lieblings K-Pop Lied: Wonder Girls – Nobody

Hope you like it. =) And hope you don’t think too bad about my musical taste…

Department-Workshop und koreanischer Alkohol

12. Oktober 2009

Bilder

Dieses Wochenende war groß Happening, die ganze Abteilung war in einem Bungalow in den Bergen, ein Departement-Workshop.

Ganze 30 Minuten hat die produktive Phase angehalten, eine neue Software wurde vorgestellt. Der nächste Vortrag ging nur noch über Yoga, danach wurde Fußball und Billard gespielt, gewandert, gegrillt, getrunken… Es war ganz lustig, und nichts stärkt den Teamgeist so wie ein paar Runden Soju unter Kollegen.

Importierter Alkohol ist in Korea unbezahlbar, und die Auswahl einheimische Spirituosen überschaubar. Es gibt nur 2 Biersorten, die das Land spalten. Wo ein Cass-Anhänger niemals Hite trinken würde, finde ich dass beide Sorten echt fade schmecken. Also bleibt als letzte Möglichkeit, bezahlbar den Teamgeist zu stärken, Soju. Es hat 20% und schmeckt ähnlich wie Vodka. Wem das ganz ordentlich klingt sollte noch etwas über die Herstellung erfahren: Es ist verdünnter Alkohol. Einfach Ethanol, Wasser und ein paar künstliche Geschmacksstoffe, fertig. Seinen Spaß kann man damit dennoch haben, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. ^^

Jeju und roher Fisch

12. Oktober 2009

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Bilder

Vorletztes Wochenende war das wichtigste Fest des Jahres: Erntedankfest. Alle Koreaner sind zu ihren Familien gefahren, haben ihren Vorfahren Obst geopfert und den Mond angebetet. Die deutschen Interns sind auf Korea’s Hawaii gefahren: nach Jeju.

Eine richtig schöne Insel, waren den ganzen Tag unterwegs, haben den 2000m Vulkan erklommen, weitere Krater und Lava-Tubes erkundet (ua die Längste der Welt mit 13.4km), haben eine U-Boot-Fahrt mitgemacht, waren Quad fahren und sogar einmal im Meer.

Kulinarisch haben wir uns mal an rohem Fisch gewagt. Vor den typisch-koreanischen Restaurants noch fröhlich im Wasser kommt er frisch auf den Tisch. Nachdem man es geschafft hat, es sich an den kniehohen Tischen ohne Stühlen gemütlich zu machen, werden die glitschigen Happen und zahllose undefinierbare Beilagen in Blätter gewickelt und gegessen. Das coolste waren Squid, die noch auf dem Teller ihre Pigment-Farben geändert haben! Aber geschmacklich macht roher Fisch nicht viel her, es ist glatt eine kulinarische Verschwendung, Fisch nicht zu grillen. Muss man dennoch mal mitgemacht haben, als nächstes kommt lebender Tintenfisch!

Restlos begeistert war Dinesh. Er ist ein indischer Ingenieur, der trotz seines Alters noch sehr gelassen und anspruchslos ist, und schon viel mit den „stupid rich Germans“ unternommen hat. Das erste Mal über 2000m, in einer großen Höhle, auf einem Quad, in einem U-Boot und sogar auf einer Fähre! Ich glaub der Sonnenuntergang auf der Rückfahrt hat ihm am Besten gefallen. Awww…

Western Wednesday

6. Oktober 2009

Ausgesprochen gut ist bei uns das Kantinenessen, jeden Mittwoch auch für ein Schmunzeln.

Denn dann ist Western Wednesday, es wird Essen angeboten welches zumindest Ähnlichkeiten zu westlichem Essen aufweist, wie Schnitzel und Nudelsalat letzte Woche: Weder das merkwürdige Gemüse, welches in den Nudelsalat geschnitten wurde, noch die Seegrassuppe als Beilage konnten mich verunsichern. Zum Schnitzel gab es rote Plasteverpackungen, klar musste das Ketchup sein. Also gleich aufgerissen, über dem Fleisch ausgedrückt und über die merkwürdige Soße gewundert. Ein kleine Messerspitze probiert und meine Vermutung wurde bestätigt. Leider kein Ketchup, sondern Marmelade: Erdbeermarmelade.

Und das finde ich so witzig. Sie geben sich so viel Mühe westliches Essen zu imitieren, um den deutschen Interns und Ingenieuren ein wenig Bekanntes zu bieten. Und sie machen ihre Arbeit gut, sowohl Schnitzel als auch Erdbeermarmelade sind typisch deutsch, passen nur nicht zusammen. Das hat die Koreaner aber nicht weiter gestört, nach meinem Vorbild wurde überall am Tisch fleißig Marmelade auf Schnitzel geschmiert und verzehrt, bevor ich etwas sagen konnte. Es schien ihnen aber geschmeckt zu haben.

Morgen ist wieder Western Wednesday…

Geumho

6. Oktober 2009

Reisfelder

Geumho auf Google Maps

Die Ortschaft, in welcher ich wohne und arbeite, ist von 3 Seiten von einem Fluss umgeben. Sie besteht aus wenigen Fabriken, einem Laden und vielen Reisfeldern. Es ist kein Postkarten-Dorf, die Fabriken sind nicht die saubersten, zum Glück ist mein Bosch-Werk hochmodern. Wenigstens hat man hier vor der Hektik Seouls oder dem Lärm Busans seine Ruhe, und ist dennoch gut angebunden: 2h in die Hauptstadt, 1h zum Meer.

Für mehr Impressionen habe ich in der Galerie ein paar Bilder von Geumho hochgeladen.

Auf Arbeit in der Thermal-Systems-Abteilung bin ich für Airflow-Tests verantwortlich. Das heißt ich hänge Kühlerlüfter in den Windkanal, nehme Messungen auf und werte diese aus. Bei Problemen darf ich mit Deutschland telefonieren und den Ingenieuren klar machen wo es klemmt.

Man merkt oft die Nähe zum fertigen Fahrzeug, zB musste ich noch 3 Tage vor Release eines neuen Autos bis spät in die Nacht Überstunden schieben, Motoren prüfen. Näher erzählen darf ich nicht, aber Bilder posten mit was ich zu tun habe:

Sam, der Sicherheitsangestellte

27. September 2009

Sam lies seine Familie in Kenya und kam auf der Suche nach einer sicheren Arbeitsstelle nach Dubai. Und diese hat er auch gefunden, als stolzer Sicherheitsangestellter in Uniform im Dubai International Financial Centre, einem Regierungsgebäude. Den Tag über patrouilliert er oder sucht Schutz vor der sengenden Sonne unter seinem Sonnenschirm. Vor kurzem hat er sich sogar einen Plastikstuhl verdient, für seine gute Arbeit.

Davon hat er mir alles berichtet, als ich das erste Mal mit dem emiratischen Gesetz in Konflikt gekommen bin. Ich hatte mir doch tatsächlich getraut, beim fotografieren der berühmten Emirates Towers eine Palme auf Regierungsgrund abzulichten, und schließlich darf in Dubai keinerlei Regierungsbesitz fotografiert werden. Großen Schrittes kam er auf mich zu und drängte mich, meine Bilder wieder zu löschen. Ich habe mich als Architekturstudent ausgegeben, und als ich auch sein Gebäude bewunderte wurde er plötzlich ganz freundlich, erzählte mir seine Geschichte, gab mit seinem Plastikstuhl an und war überzeugt, dass sein Financial Centre überhaupt eines der schönsten Gebäude in Dubai sei, nicht zu unrecht. Wie viele dubaier Billiglöhner war er aufgeschlossen, freundlich und hilfsbereit, und so haben wir ein wenig geplaudert bis er mir mitteilte, dass es doch eine Möglichkeit gäbe sein Financial Centre zu fotografieren:

Ich sollte einmal um das Gebäude laufen, mich dann entfernen und beim Gehen umdrehen und 2-3 Bilder schießen. An folgender Ecke, außer Sichtweite der Sicherheitskameras würde er mich dann abfangen, ich sollte etwas mit den Armen fuchteln und dürfte dann meines Weges gehen, mit einem ganz besonderen Foto.

Gesagt, getan. Um meinen kenyanischen Freund nicht bloszustellen wurden an der Geschichte einige Details abgeändert, und mir würde auch niemals in den Sinn kommen das Foto im Internet zu veröffentlichen. *hust*

Dubai

27. September 2009

Dubai waWelcome to Dubair unglaublich beeindruckend.

Auf der einen Seite atemberaubende Architektur und Malls, in welchen es viel mehr zu entdecken gibt als Shopping. Auf der Anderen noch vollkommen intakte Märkte, in deren Schluchten unnachahmliche Gebetsgesänge hallen, und Abras, welche sehr aufgeschlossene und gesprächige Billiglöhner über den Dubai Creek schippern. Inder haben mir beim feilschen geholfen, ein kenyanischer Sicherheitsangestellter hat wegen mir fast seinen Job verloren… Darüber werde ich noch ausführlich berichten. Nur das Wetter und Ramadan haben mir zu schaffen gemacht. Absolutes Highlight war die Wüstensafari!